Freund & Reiter - Werkstatt für Transformation

Säbelzahntiger oder Gänseblümchen

Ändern Sie den Fokus

„Wir leben in einer schlechten Welt!“, denkt sich so mancher, wenn er die Zeitung aufschlägt, Nachrichten hört, die Preise beim Einkaufen sieht, seinen Steuerbescheid bekommt, seinen Kunden, Kollegen, Chefs, Mitarbeitern, Kindern und Partnern bei der täglichen Klage zuhört. Das kann einen schon depressiv machen.

Wenn Sie sich demotiviert, ärgerlich oder frustriert fühlen, fallen Sie gerade auf ein Beinstellrezept herein.

Das ist eine ganz neue Sichtweise auf Glück, nicht wahr? Nicht die böse Welt, sondern wir selbst bringen uns täglich um unser verdientes Lebensglück und unseren Erfolg. Indem wir unabsichtlich Beinstellrezepte verwenden.

Das Beinstellrezept: Schauen Sie auf das Schlechte im Leben, und es geht Ihnen schlecht!

Der böse Blick: Ursachen und Kosten

Nachrichten, Zeitung, jammernde Kollegen und Verwandte – sie alle geben Zeugnis von der Schlechtigkeit der Welt. Ist sie es tatsächlich? Natürlich nicht, wir konzentrieren uns lediglich auf das Schlechte im Leben, wenn wir dem Beinstellrezept folgen. Wieso ist das so? Weil unser Gehirn so programmiert ist, und zwar seit Urzeiten: Es war evolutorisch wichtiger, ständig nach Säbelzahntigern Ausschau zu halten als nach Gänseblümchen. Früher war das ein Überlebensreflex und heute ist er das auch noch: Er sichert unser Überleben – aber auch nur das. Zum Leben selbst reicht das jedoch nicht. Niemand ist glücklich oder erfolgreich, wenn er lediglich grade mal so überlebt. Das reicht nicht zum Leben! Das macht unzufrieden.

Diese latente Unzufriedenheit unserer modernen Welt erkennen wir nur zu gut am vorherrschend negaholischen Zeitgeist, der verbreiteten Larmoyanz, der explosionsartig wachsenden Anzahl der Depressionen, unserer Unzufriedenheit mit der Wirtschaft, dem Beruf, Gott und der Welt, an der Burnout-Problematik. Wer in einer schlechten Welt lebt, wird seines Lebens nicht mehr froh, lebt quasi in ständigem Konflikt mit der Welt und mit seinen eigenen, nie befriedigten Erwartungen. Es ist der ultimative Konflikt des modernen Lebens schlechthin: Wir möchten glücklich und zufrieden leben – doch wie können wir das in dieser schlechten Welt? Indem wir wie üblich das Misserfolgsrezept auf den Kopf stellen:

Das Erfolgsrezept: Haken Sie das Schlechte in der Welt ab – und fokussieren Sie auf das Restgute!

Wer Gutes sieht, wird Gutes ernten

Wer täglich das Schlechte in der Welt sieht, macht sein Leben täglich schlechter. Mit jeder schlechten Radio-Meldung, jeder Tagesschau, jeder Zeitungslektüre, jedem Lauschen auf die Klage des Kollegen machen wir unsere eigene kleine Welt ein klein wenig schlechter.

Ein Teufelskreis: Wer Schlechtes hört oder sieht, eicht seine Wahrnehmung auf Schlechtes und produziert damit Schlechtes, über das er sich aufregen kann, weshalb er noch mehr Schlechtes provoziert, …

Dafür sorgen die selektive Wahrnehmung und die Self-Fulfilling Prophecy. Dass diese Selbstverschlechterung auch umgekehrt funktioniert, vergessen wir darüber oft: Gehen Sie doch mal die Einkaufsstraße Ihrer Stadt nach dem Essen entlang – was sehen Sie? Am nächsten Tag gehen Sie die Straße vor dem Essen hoch – was sehen Sie nun? Eine Menge Imbisslokale und Restaurants, die Sie gestern noch nicht sahen. Sie waren aber gestern schon da. Warum sahen Sie sie nicht? Weil Sie nicht hungrig waren. Sind die Lokale heute in der Überzahl? Nein, und das ist das Erstaunliche: Obwohl die „guten Nachrichten“ (Lokale) im Vergleich zu den vielen Supermärkten, Buchhandlungen und Boutiquen klar in der Minderzahl sind, werden Sie trotzdem satt.

Selbst wenn Ihr Tag nur 10 Prozent Gutes hat, wird Sie das 100-prozentig erfolgreich und zufrieden machen – sofern Sie es wahrnehmen!

Natürlich ist das Schlechte in der Welt prima facie in der Überzahl. Doch wenn Sie Ihren Blick nach jeder Ablenkung wieder auf das Gute fokussieren, reicht das bereits für Glück und Erfolg. Das meinte der Prophet, als er schrieb, man solle sich nicht vom rechten Weg abbringen, in Versuchung führen lassen.

„Positives Denken“ schadet

Sich auf das Gute zu konzentrieren ist nicht ganz leicht. Die meisten Menschen verwechseln es mit Positivem Denken primitivster Prägung. Wenn der Chef eben die Jahresziele verdoppelt hat, sagen sie sich: „Es geht mir gut, alles wird gut, ich erreiche die Ziele trotzdem!“ Das ist Unfug, wie Sie sicher schon bemerkt haben. Das funktioniert nicht und hinterlässt im übrigen ein ganz übles Gefühl (weil man sich selbst verarscht).

Der Trick bei der positiven selektiven Wahrnehmung ist nicht, das Schlechte zu ignorieren, sondern das Schlechte zur Kenntnis zu nehmen und den Blick auf das Gute zu wenden.

Zum Beispiel: „Okay, die neuen Ziele sind unfair und überzogen – aber nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird, und außerdem lasse ich mir etwas einfallen.“ Und schon geht der Blick weg vom Problem auf eine mögliche Lösung. Das Schöne an diesem Erfolgsrezept: Sie müssen kein Optimist sein, Sie brauchen dafür keine Wagenladungen voll Zuversicht oder Selbstvertrauen haben, Sie brauchen noch nicht einmal daran zu glauben (!). Sie müssen lediglich den Blick weg vom Negativen wenden und etwas Positives suchen – die Zuversicht, Glaube und Selbstwertgefühl stellen sich dann schon von alleine ein!

Halten Sie die Augen offen!

Wenn Sie hinter dem aktuellen Erfolgsrezept das Magnetprinzip (s. Kapitel 13) wiederentdecken, haben Sie nicht nur Recht, sondern die Erfolgsrezepte schon erstaunlich gut memoriert. Es ist eines der wirkungsvollsten Mega-Rezept im Leben, wenn nicht das Erfolgsrezept schlechthin – deshalb setzt es den Endpunkt in diesem Buch. Die Stress- und die Erfolgsforschung weisen immer wieder darauf hin, dass besonders erfolgreiche und glückliche Menschen diesen Blickwechsel quasi reflexhaft vornehmen: Auch ihnen passieren schlimme Dinge – doch während weniger erfolgreiche und zufriedene Menschen minuten-, stunden-, ja oft tagelang fassungslos darauf starren und sich ärgern, wendet sich ihr Blick bereits nach Sekunden zum Konstruktiven.

Dieses Konstruktive ist nicht immer leicht zu finden – vor allem, wenn Sie seit Jahren gewohnheitsmäßig vor allem das Negative sehen. Doch schon mit erstaunlich wenig Übung stellt sich Ihr Blick um und Sie sehen Lösungen, wo Sie vorher nur Probleme sahen. Wege, wo Sie vorher Hindernisse sahen. Gutes, wo Sie nur Schlechtes erkennen konnten.

Das Negative drängt sich Ihnen von alleine auf, das Positive müssen Sie suchen – dann finden Sie es auch!

In diesem Sinne: Halten Sie die Augen offen – und lassen Sie es sich gut gehen!

Denn: Das Leben ist zum Leben da!

 


Impulse