Freund & Reiter - Werkstatt für Transformation

Das Leben ist zum Leben da!

Der Problemberg, der uns im Alltag begräbt

Wenn wir Unternehmer und Führungskräfte begleiten, fällt uns immer wieder auf, wie viele Probleme in den Unternehmen ungelöst herumliegen und die Laune verderben:

  • Ein Transformations-Projekt ist seit Wochen festgefahren; keiner weiß so recht warum oder wie man es wieder zum Laufen bringt.
  • Der Streit zwischen Abteilung A und B hat sich auch nach dem dritten Konflikt-Workshop nicht geklärt.
  • Bestimmte Kundenzielgruppen lassen sich trotz größter Anstrengungen einfach nicht „knacken“.
  • Der Dauerkonflikt mit einem bestimmten Mitarbeiter geht in die fünfte Runde …
  • Die Jahresziele erscheinen in diesem Jahr noch unerreichbarer als sonst und keiner hat eine Idee, wie man sie doch noch erreichen könnte.
  • Seit Monaten fragt man sich, ob man bei dieser Firma alt werden möchte – aber es ergibt sich einfach keine brauchbare berufliche Perspektive.

Gute Gründe, alles beim Alten zu lassen

Zu den beruflichen kommen die privaten Anforderungen: Endlich mehr für die Gesundheit tun, endlich mehr Zeit für die Familie, endlich mehr Zeit für sich selbst, … Auch da passiert nicht viel. Sie schieben ebenfalls einen Berg ungelöster Themen vor sich her? Warum lösen Sie sie nicht einfach? Die meisten Menschen haben dafür gute Gründe:

„Weil mir die Zeit dafür fehlt!“
„Weil eine befriedigende Lösung zu lange dauern würde.“
„Weil es zu kompliziert wäre.“
„Einfach zu aufwändig.“
„Wir haben die Mittel nicht.“
„Wir haben schon so vieles probiert und es hat nichts geholfen!“
„Ist mir einfach zu riskant!“

Viele befürchten auch den „Rattenschwanz“: Dass bei einer echten Lösung noch viele andere Dinge verändert werden müssen, die man eigentlich nicht geändert haben möchte. Das Problem endlich anzupacken, wäre schon schön – doch eine befriedigende Lösung ist einfach zu schwierig, zeitraubend, kompliziert, riskant, komplex, aussichtslos, … Erkennen Sie es?

Das Beinstellrezept: Problemlösungen sind manchmal einfach zu riskant, komplex, zeitraubend, …

Wie man Fliegen aufbläst

Wenn Ihnen ein Problem, eine Veränderung oder ein Wunsch als zu groß oder schwierig erscheinen, dann nicht deshalb, weil es so aufwändig oder zeitraubend wäre, sondern weil Sie das Problem vorher (ungewollt) aufgeblasen haben. Nehmen wir zum Beispiel Eberhardt. Er möchte seit Jahren abnehmen, doch: „Ich möchte einfach weiter essen, was mir schmeckt. Außerdem habe ich nicht jeden Tag Zeit, eine Stunde zu joggen. Und sowieso schmeckt mir das ganze Rohkostzeug nicht.“ Was tut Eberhardt da? Er nennt gute Gründe, warum Abnehmen für ihn nicht drin ist? Nein, er betreibt sukzessive Überforderung. Doch das bemerkt er erst, als sein neuer Kollege eines Tages mit einer schlabbernden Hose ins Büro kommt: „Du hast ja mächtig abgenommen! Woher hast du denn die Zeit für den Sport? Und war es schwer, auf die gewohnte Kost zu verzichten?“ „Wieso schwer? Ich esse immer noch alles, was mir schmeckt – nur eben etwas weniger. Und für eine Viertelstunde Ergometer am Tag hat doch jeder Zeit!“

Was hat Eberhardt im Vergleich zu seinem erfolgreichen Kollegen gemacht? Er hat sukzessive seine Problemlösung so aufgeblasen, dass sie für jeden normalen Menschen einfach zu aufwendig geworden ist. Damit provoziert er einen ständigen Konflikt mit anderen („Nun mach doch endlich was gegen deinen Rettungsring!“) und mit sich selbst (wenn er morgens auf die Waage steht!). Sein Kollege machte das Gegenteil:

Das Erfolgsrezept: Wenn Sie möchten, dass etwas geschieht, unterfordern Sie sich konsequent!

Sukzessive Unterforderung

Jetzt wissen Sie, warum in diesem Land und unserem Leben sich so wenig tut, wir ständig diesen Bodensatz lästiger Probleme vor uns her schieben: Wer sich sukzessive überfordert, packt’s nicht!

Zunächst hielt Eberhardts Kollege auch sein Unterfangen für undurchführbar: „Eine Stunde Joggen halte ich doch nie durch!“ Doch dann fiel ihm ein: „Eine halbe Stunde könnte ich sicher durchhalten (1. Unterforderung). Aber vielleicht ist das gar nicht nötig, denn ich habe irgendwo gelesen, dass eine Viertelstunde am Tag besser ist als zwei Stunden einmal die Woche (2. Unterforderung). Überhaupt jogge ich äußerst ungern – also schaff ich mir einfach einen Hometrainer an (3. Unterforderung).“

Wenn Ihnen ein Wunsch oder eine Problemlösung als zu … (was auch immer) erscheint, unterfordern Sie sich sukzessive so lange, bis die Lösung attraktiv, einfach, wenig zeitraubend, leicht und aussichtsreich wird.

Dieses Erfolgsrezept hat eine gewünschte und eine verrückte Wirkung. Die gewünschte: Sie packen’s endlich an! Und hinterher sagen Sie sich: „Na also! War doch überhaupt nicht schwer! Ich weiß  nicht, warum ich zuvor so einen Wirbel veranstaltet habe!“

Veränderungen sind leichter und einfacher als Sie denken!

Die verrückte Wirkung des Rezepts: Wenn Sie sich sukzessive unterfordern, steigern Sie sich automatisch sukzessive! Eberhardts Kollege macht seine tägliche Viertelstunde inzwischen so viel Spaß, dass mittlerweile eine halbe daraus geworden ist. Und: „Lachen Sie nicht, aber ich habe letzte Woche neue Joggingschuhe gekauft. Das reizt mich jetzt doch! Außerdem möchte ich weniger Kohlenhydrate zu mir nehmen!“

Wer sich unterfordert, hat langfristig den größten Erfolg.

Denn wer sich überfordert, schmeißt meist die Flinte ins Korn – oder hat wenig Freude selbst am Erfolg, weil er sich dabei total überfordert hat.

Denn: Das Leben ist zum Leben da!

 


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